Familienstil Chen Taijiquan / Tai Chi Chuan
Chen Taiji

Chen Taiji – Chen Taijiquan
Der Chen-Stil ist der älteste Familienstil des Taijiquan.
Er wurde entwickelt von der Familie Chen im 17. Jahrhundert.
Chen Bo gilt als erste Generation der Chenfamilie, denn man weiß, dass er um 1374 in die Provinz Henan umsiedelte in das Dorf Chenjiagou, und dort den Chenstil gründete. Chenjiagou wird heute als der Ausgangspunkt des Chen-Taiji bezeichnet.
Der Chen Stil ist die historische Ausgangsform für die sich späteren Taijiquan-Stile, denn die bekannten Stile Yang, Wu, Wudan, Sun sind historisch auf der Grundlage des Chen-Stils entwickelt worden.
Der Chenstil ist tendenziell meist dynamischer, explosiver und „kämpferischer“ im Gegensatz zu den heute oft gelehrten Formen des Yang.-Stils, denn diese sind meist „gemächlicher“ und fließender ausgeübt, zumindest im Gesundheitssport.
Handformen und Waffenformen
Im Taijiquan und auch im Chen Taijiquan gibt es sowohl Waffenformen als auch waffenlose Handformen.
Man unterscheidet verschiedene Chenstil-Linien. Heute teilt man ein in den „grßen Rahmen“ (nach Chen Changxing) und den „kleinen Rahmen“ (nach Chen Youben).
Der „große Rahmen“ wird nochmal unterteilt in eine Tradition/Form nach Chen Zhaopi bzw. nach Chen Fake (und seinen Sohn Chen Zhaokui)
Nach Chen Zhaopi gibt es im „großen Rahmen“ eine „erste Straße“ mit 75 Elementen und eine „zweite Straße“ mit 43 Elementen. Teil wird der „alte Rahmen“ nach Chen Zhaopi auch „erster Rahmen“ (Laojia) genannt (Laojia Yi lu bzw. Laojia Er lu)
Nach Chen Fake / Chen Zhaokui hat die „erste Straße“ 83, die „zweite Straße“ 72 Elemente. Der „alte Rahmen“ nach Chen Fake wird auch als“neuer Rahmen“ (Xinjia) bezeichnet. („Alter Rahmen“ und „neuer Rahmen“ ist nicht ganz korrekt, da es historisch zeitlich gesehen keinen Unterscied gibt.)
Chen Xiaowang (geb. 1946) und Chen Zhenglei (geb. 1949) waren neben anderen bekannten Personen Schüler von Chen Zhaokui. Beide unterrichten heute noch im höheren Alter auf der ganzen Welt. Chen Xiaowang ist Begründer der WCTA, deren deutscher Zweig die WCTAG ist (Jan Silberstorff).
Chen Zhaokuis hat einen Sohn, Chen Yu (geb. 1962), der die Chen-Linie nach Chen Fake und Chen Zhenglei weiterführt. Diese Chen-Stil-Abstammungslinie ist die Linie, an der sich das CTND -Netzwerk orientiert.
Handformen
Die 1. Form alter Rahmen (alte Stellung) oder „Laojia Yilu“. Je nach Zählweise mit 73-75 Elementen ist sie zumeist sanft und fließend mit nur relativ wenigen dynamischen Teilen.
Die 2. Form alter Rahmen, „Laojia Erlu“, auch Paochui / Cannon Fist genann, mit 41-43 Elementen, ist dynamischer und explosiver in vielen Elementen.
Die 1. sowie 2. Form des neuen Rahmens, „Xinjia Yilu“ und „Xinjia Erlu“. Diese Formen haben 83 bzw. 71 Elementen (nach Chen Fake oder Chen Zhaokui) und legen (noch) mehr Betonung auf Spiralkraft und Biomechanik.
Des weiteren gibt es z.B. noch die Formen Xiaojia Yilu bzw. Xiaojia Erlu („kleiner Rahmen / Stellung“) mit 73 und 41 Elementen.
Es gibt im Chenstil auch noch kürzere Formen, mit 38, 19 und 9 Figuren (nach Chen Xiaowang) oder auch 18 Elementen (nach Chen Zhenglei), des weiteren die 13er Form nach Chen Biing , 24er oder 42er Formen nach Wang Xian und weitere kurze / vereinfachte Formen.
Diese kurzen „Einsteiger“-Formen beinhalten wichtige bzw. die wichtigsten Elemente des Chen-Stils, damit sie für den Einstieg gut geeignet sind, aber nicht so viel „Merkarbeit“ an Figuren benötigen.
Waffenformen:
Schwertform und Doppelschwertform (Dan Jian / Shuang Jian)
Säbelform und Doppelsäbelform (Dan Dao / Shuang Dao)
Langstock / Speer (Gun) / Kurzstock / Doppelstock
Hellebarde
Seidenübungen, Spiralkraft, Stehende Säule
Spiralkraft
Die Spiralkraft bzw. „Spiralenergie“ ist typisch für den Chen-Stil.
Der Name leitet sich von der Seidenraupe ab, weil diese sich beim spinnen des Kokons spiralförmig bewegt. Spiralförmige Bewegungen kommen in den Formen und Übungen zum Ausdruck..
Die “Seidenübungen“ (Chansigong, weil benannt nach dem Aufspulen / Drehen von Seidenfäden) zeigen und trainieren speziell diese Dynamik.
Stehende Säule
Die „stehende Säule“ (Zhan Zhuang), ist ebenfalls ein zentrales Element des Chen -Stils und eine Meditation und Kraftübung sowie Qi-Fluss-Übung im Stehen. Ähnlich gibt es diese Übung auch im Qi Gong.
Schiebende Hände (Tuishou / Push-Hands)
Push-Hands sind Partnerübungen, weil sie durch die gegenseitig wirkenden Kräfte der trainierenden Partner u.a. Standfestigkeit, Druckübungen, Energiefluß fördern. Die Übungen schulen die Fähigkeiten für Taiji-Anwendungen im Nahkampf, um sicher zu stehen und Kraft effektiv übertragen zu können. Es gibt Wettkämpfe im Tuishou. Push-Hands gibt es in allen Taiji-Stilrichtungen.
Der Chen-Stil (nach Chen Xiaowang, Verband in Deutschland: WCTAG), ist der Stil, mit dem ich mich bevorzugt beschäftige. Es gibt aber auch andere Varianten / Linien im Chen, wie oben bei den Handformen beschrieben.
Weitere Info bei Wikipedia hier